9. Etappe: Polymylos - Agios Vasileios

25.02.2012 - Wie auf dem Streckenprofil zu erkennen ist, geht es zunächst noch ein bisschen hoch, es folgt eine längere Abfahrt, dann ist alles flach. Nur am Abend fahre ich wieder eine Hügel hoch. 155 Tageskilometer sind so wieder gut möglich, auch wenn insgesamt 950 Hm Anstieg zu bewältigen sind.
Und wiedermal ein neuer Tag. Während ich frühstücke und meine Sachen packe, geht langsam die Sonne auf. Kaum ist die Sonne aufgegangen, mache ich mich auf den Weg. Schon bald muss ich wieder schieben. Diesmal nicht etwa weil es zu steil ist oder es zuviel Wind hätte. Nein, es hat Eis auf der Strasse und mein Hinterrad dreht durch. Ich komme durch ein noch im Schlaf versunkenes Dorf, dann folgt die Abfahrt...














Die Abfahrt ist zunächst nur etwas kühl. Hinter einer Kurve wird es plötzlich glatt und das Fahrrad rutscht unter mir weg und wir schlittern ein paar Meter über die Strasse, bis wir beide liegen bleiben. Aus Sicherheitsgründen muss ich schon wieder schieben. Doch auch dabei falle ich öfters fast um. Ich frage mich, wie ich denn jemals irgendwo ankommen soll, wenn ich nicht fahren kann. Die Hühner an denen ich vorbei komme, können mir meine Frage jedenfalls nicht beantworten. Doch schon bald lassen die warmen Sonnenstralen das Eis schmelzen, ich kann wieder fahren und komme in Veria, dem Ort unten im Tal an. Immer wieder sehe ich Autos mit Skis auf den Dachträgern. Statt Radurlaub sollte ich das nächstemal besser Skiurlaub hier machen denke ich mir...







An einem Stausee mache ich Pause. Kilometer später merke ich, dass ich falsch fahre. Zum Glück war es aber kein allzu grosser Umweg und ich wechsle auf die Hauptstrasse nach Thessaloniki. Die Hauptstrasse an sich ist hässlich und stark befahren, nebendran siehts aber gar nicht so übel aus. Die zerfallenen Brücken gefallen mir irgendwie.
Auf der Hauptstrasse fahre und fahre ich bis ich zu einem Fahrradsverbotsschild komme und auf gut Glück auf eine Nebenstrasse wechsle. Gerade als ich denke, dass ich nicht mehr auf dem Land bin, endlich Ruhe vor den nervenden Hunden habe, geht das Theater wieder los. Und zwar fast noch schlimmer als zuvor. Die kleinen Industriegebiete die ich durchfahre wimmeln nur so von Rudeln frei herum laufender Hunde. Verdammt!!! Da ich ungefähr weiss, wo die Hauptstrasse durchgeht, versuche ich dieser zu folgen, bis ich schon bald wieder auf diese wechseln kann. Ich erhöhe nun das Tempo um schneller nach Thessalloniki zu kommen...











Schliesslich erreiche ich Thessaloniki und bin wieder am Meer. Fertig mit Bergen, jetzt gehts der Küste entlang nach Istanbul denke ich mir, doch ein Blick auf die Landkarte belehrt mich eines besseren (Naja, Traum und Wirklichkeit waren mal wieder nicht deckungsgleich). Die letzten Tage habe haben mich müde gemacht, ich will nicht mehr weiterfahren. Ein paar Tage hier bleiben und dann wieder zurück. Sowas in der Art wäre schön. Aber nein, der junge Herr musste ja ankündigen dass er nach Istanbul fahren will. Das nächste Mal sage ich nichts. Dann kann ich umdrehen wann ich will und muss nicht so was blödes wie eigentlich wollte ich nach Istanbul, aber auf halber Strecke bin ich umgedreht und wieder heimgefahren, erzählen. Es gibt also weiterhin nur ein Ziel: Istanbul. Die Stadt gefällt mir sowieso nicht so. Ich sehe keine Radfahrer also ist sie mir schon Mal nicht sympathisch, der Strassenzustand bringt mich dazu laut zu fluchen und wirklich schön ists hier auch nicht. Jedenfalls nicht das, was ich zu sehen bekomme. Zugegeben, es hat Meer, aber so leicht bin ich also nicht zu beeindrucken. Auf meiner Landkarte versuche ich einen Weg aus der Stadt zu finden. Das ist schwierig, erst hat es keine Wegweiser, dann hat es Wegweiser auf denen Orte stehen die ich auf meiner Karte nicht finden kann... Ich düse also bis ans andere Ende der Stadt und kaufe mir eine neue, bessere Landkarte. Die alte war mal nassgeworden und am auseinanderfallen und landet im nächsten Mülleimer. Jetzt weiss ich wieder wo ich bin. Um auf die direkteste Strasse Richtung Istanbul zu gelangen, muss ich mal wieder über einen Berg fahren. Das geht ja noch, um aber dorthin zu gelangen muss ich zuerst auf eine Art dreispurige Stadtautobahn wechseln, die natürlich auch noch vollgestopft mit Autos ist. Ob ich hier überhaupt fahren darf, ist mir in dem Moment ziemlich egal, ich sehe jedenfalls kein Schild, das es verbietet und los gehts. Es ist ja nur bis zur nächsten Ausfahrt. Dort angekommen bin ich aber ziemlich froh, die Strasse verlassen zu können und mir keine Sorgen um mein Leben mehr machen zu müssen. Schon bald finde ich auch einen Supermarkt und ich kann mir wieder meine tägliche Ration von beinahe 600 g Chips kaufen.



.



Eigentlich hatte ich vor oberhalb der Stadt zu übernachten, aber hier ist ein Übungsgelände des Militärs... Ganz oben angekommen will ich schon fast mein Nachtlager aufschlagen, doch mehrere Rudel Hunde lässt auch dieses Vorhaben scheitern. Warum es plötzlich so viele von den Viechern hat, ist mir nicht ganz klar, doch eigentlich ist mir die Frage des "Warum" auch ziemlich egal. Sie sind da und sie stören gewaltig beim Radfahren. Runter gehts eine verdammt steile Abfahrt. Auf einer Wiese finde ich dann schlussendlich einen Militär- und Hunde freien Platz...